Die Gründung vom Harzklub und vom Albertturm

 

 

 

 

 

 

Die achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts, in deren Verlauf die Gründung des Harzklubs erfolgte, wurden von zwei gegenläufigen geistigen Strömungen geprägt: Das 1871 geschaffene zweite deutsche Kaiserreich entwickelte sich politisch und wirtschaftlich hervorragend; allgemein sah man mit großen Hoffnungen in die Zukunft. Aber es gab auch entgegengesetzte Auf­fassungen. Das unerwartet rasche Wachstum der Industrie ließ schon damals Ballungsgebiete entstehen, in denen Menschen. die sich aus über­kommenen Bindungen gelöst hatten, in einer anonymen Massengesellschaft aufgingen, die größtenteils in trostlosen Verhältnissen lebte. Weitblickende warnten vor den daraus entstehenden Schäden und riefen u. a. dazu auf, die damals noch knappe Freizeit zur Stärkung von Körper, Geist und Seele in der unverfälschten Natur zu nutzen. Sie fanden offene Ohren vor allem bei denen, die des zivilisatorischen Fortschritts überdrüssig waren und als Wanderer die Stille der Wälder und die Einsamkeit der Berggipfel suchten.
Alsbald schlossen sich Gleichgesinnte zu örtlichen Vereinen und diese zu regionalen Verbänden zusammen, um geeignete Gebiete für naturnahe aktive Erholung zu erschließen und insbesondere für das Wandern zu werben.
Im Harz ergriff der Quedlinburger Verlagsbuchhändler H. C. Huch die Initiative, indem er zum 4.Juli 1886 ihm geeignet erscheinende Männer nach Blankenburg einlud, um mit ihnen über die Gründung eines ,,Harz­ Touristenvereins‘ zu beraten. Zu dieser Besprechung erschienen u. a. Eisenbahndirektor Baurat Albert Schneider aus Blankenburg und Hauptmann Robert Spatzier aus Seesen.
Dem gemeinsamen Bemühen von Schneider, Spatzier und Huch ist es zu danken, dass es bald darauf zur eigentlichen Gründung des Harzklubs kam. Zuvor hatten die Genannten und sieben weitere Teilnehmer der Blankenburger Sitzung die Ausarbeitung der Vereinssatzung und die Veröffentli­chung eines Aufrufes in Tageszeitungen des Harzgebietes veranlasst, der von zahlreichen namenhaften Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens im Harz und Harzvorland unterzeichnet war.
Infolge der besonderen Aktivität Hauptmann Spatziers und der Tatsache, dass in Seesen bereits seit anderthalb Jahren etwas ähnliches wie ein örtlicher Harzklub, nämlich der ,,Seesener Harzverein~, bestand, fand die ,,konstituierende Versammlung des Harzclubs unter Vorsitz Spatziers am 8. August 1886 in Seesen statt, zu der 62 Teilnehmer aus 23 Orten erschienen. Leider konnte man sich weder über die Besetzung der Vorstandsämter noch über die Statuten einigen.
Im Laufe der folgenden acht Monate setzte sich Schneider als erster Vorsitzender durch, indem er die Wahl eines provisorischen Vorstandes betrieb, für dessen Vorsitzenden er zwar Spatzier vorschlug, aber ein halbes Jahr später amtierte der Baurat selbst als Vorsitzender. Er war es, der die erste ordentliche Generalversammlung zum 3. April 1887 nach Goslar einbe­rief,  von der er zum ersten Hauptvorsitzenden des Harzklubs gewählt wurde; übrigens waren Delegierte von 23 Zweigvereinen erschienen, die 1134 Mitglieder vertraten. Hauptmann Spatzier wurde niemals Mitglied des Hauptvorstandes und blieb nicht einmal Vorsitzender des von ihm gegründeten Zweigvereins Seesen. Offenbar hatte sich Schneider als die stärkere von zwei starken, aber auch eigenwilligen Persönlichkeiten erwiesen.
Aus der Bergstadt Bad Grund haben an der Gründungsversammlung am 8.August 1886 in Seesen teilgenommen Der Bergrat Dörell der Arzt Dr. Freymut und Bürgermeister Köpke.
Am 8. März 1887 propagierten diese drei Herren vor der eingeladenen Bevölkerung im Römerschen Hotel die Harzklubgedanken. Schon am 27.April 1887 konnte der Harzklubzweigverein Bad Grund offiziell fundiert werden. Eine stattliche Anzahl Bürger trat in die Reihen des Harzklubs ein.
Die ersten Mitglieder waren: Bergrat Dörell, Dr. Ereymut, Bürgermeister Köpke, Apotheker Söchting, Senator Spellenberg, Senator Giesecke, Förster Wöckner, Organist Lämmerhirt, Obersteiger Müller, Postverwalter Winter, Oberförster Röhrig, Kantor Mund, Bautechniker Andreas, Lehrer Thormann, Lehrer Weule. Hotelbesitzer Römer, sein Sohn Römer jun., Lagerhalter Eckert, Pochsteiger Schütte, Restaurateur Tönnies, Faktor Gärtner, cand. phil. Deppe, Sekretär Prediger, Aufseher Schlabach, Büro­gehilfe Ernst, Förster Storbeck, Bergmann Fuchs, Restaurateur Wemheuer, Kaufmann Neuner und Lohgerber Eckert aus Laubhütte. Auf mancherlei Anregungen hin begann man in Einzel- und Gemeinschaftsaktionen entsprechend den Harzklubzielen, wie Anbringen von Wegbezeichnungen und Anlage neuer Wege, Erschließung von Aus­sichtspunkten, Ausarbeitung lohnender Wanderungen, Aufstellung von Ruhebänken und Einrichtung von Schutzhütten, Empfehlungen in Wan­derkarten und Reisehandbüchern. Ebenso wirkte man auf Veröffent­lichungen von Mitteilungen über getätigte Arbeiten hin. Sehr bald wandte sich der Grundner Zweigverein recht aufwendigen Projekten zu, die in gefäl­liger Zusammenarbeit mit der Verwaltung der Bergstadt und ungenannten Gönnern nach gesicherter Finanzierung in Angriff genommen werden konnte.
**Die größte Leistung in der hundertjährigen Geschichte, die der Zweigverein Bad Grund vollbracht hat, ist der Bau und die Unterhaltung des Aussichts­turmes auf dem lberg. Der lberg, ein 562m hoch gelegenes Korallenriff, wurde von vielen Studenten und Wanderern besucht. Wegen seiner geolo­gischen Struktur und durch seine Flora ist er sehr interessant. Vom höchsten Punkt des Iberges ist eine gute Fernsicht.
So wurde schon 1886 mit Unterstützung der Bad Grundner Vereine, beson­ders der Gesangvereine, ein 20 m hoher hölzerner Turm für 1100,- Mark erstellt. Durch Witterungseinflüsse wurde der Holzturm bald unbrauchbar. Die Unterhaltung des Turmes war inzwischen vom Harzklubzweigverein übernommen worden. Aber dieser konnte den Verfall nicht aufhalten.
Es wurde der Entschluss gefasst, einen neuen Turm zu bauen. Zu diesem Zweck bildeten die Harzklubmitglieder Dr. med. Meyer, Bergrat Ehring, Forstmeister Rothe und Senator Ernst einen Ausschuss, der die Planungen und den Bau des Turmes in Auftrag gab.
Am 25. August 1906 erfolgte die Genehmigung für den Turmbau durch den Minister für Landwirtschaft Forsten. Mit dem Turmbau wurde am 16. Juni 1907 begonnen, so dass am 28. Dezember 1907 die Bauabnahme des 25 m hohen Turmes erfolgen konnte. Die Baukosten beliefen sich auf 7.500,- Mark. Dies war eine stattliche Summe, wenn man berücksichtigt, dass die Jahreseinnahmen des Zweigvereins im Jahre 1905 nur 1.071,24 Mark betragen haben.
Die Einweihung und die Namensgebung des Turmes erfolgte am 31. Mai 1908. Der Festrede des 1. Vorsitzenden des Zweigvereins Bad Grund, Dr. Meyer, ist zu entnehmen: ,,Wenn wir diesen stattlichen Bau betrachten, so ist es uns wieder ein Beweis, was einmütige Zusammenarbeit zu voll­bringen vermag, wie es der große Harzklub, wie es die Zweigvereine schon oft bewiesen haben. Wie viel Großes und Schönes hat der Harzklub in unse­rem Harzer Lande schon vollbracht! Und wer war es, der dem 1-larzklub seiner Zeit den Weg hierzu gewiesen hat? Sein Begründer und langjähriger Vorsitzender, Herr Geheimer Baurat Albert Schneider aus Bad Harzburg. Wir haben daher geglaubt, gegen diesen Herrn eine Pflicht der Dankbarkeit erfüllen zu müssen und haben beschlossen, ihm zu Ehren dem neuen Turm auf dem Iberg den Namen AIbertturm zu geben.“
Wer war Albert Schneider? Am 30. April 1833 wurde er im Pfarrhaus in Trautenstein, einem kleinen Flecken zwischen Tanne und Hasselfelde, geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums wurde ihm bescheinigt, dass er zu keinen besonderen Hoffnungen berechtigte. Er studierte Ingenieurwissenschaft und Maschinenbau. Nach einem längeren Aufenthalt in Russland, wo er unter anderem Maschinendirektor einer russischen Staatsbahn war, kehrte er 1 ~72 zurück und wurde Betriebsleiter der Bahn Halberstadt - Blankenburg. Er haute die erste Eisenbahn des Harzes von Blankenburg nach Tanne. Er war der 1. Vorsitzende des Harzklubs. 1900 trat Albert Schneider aus gesundheitlichen Gründen als Hauptvorsitzender zurück. 1910 verstarb er in Bad Harzburg.
Und war der Turm aus Stein gebaut, die ersten Spuren von Schnee und Eis, Regen und Sturm wurden bereits 1921 deutlich. 1930 bekam das Mauerwerk die ersten Risse und 1954 musste der Turm vom Hochbauamt gesperrt werden. Mit hohem Kostenaufwand wurde 1955 der Turm renoviert und erhielt einen Eisenbetonmantel, der 17.500,- DM kostete. 1963 war man gezwungen, den Turm um fast 10 m aufzustocken, da der Buchenbestand ringsum gewachsen war, dass keine Rundsicht mehr möglich war. 1969 bekam der Grundsockel schließlich noch einen Stahlbetonmantel, der das Bauwerk in das nächste Jahrtausend tragen soll.
Seit dem Bestehen des Aussichtsturmes 1886 bestand auch eine kleine Waldgaststätte. Die Waldgaststätte ist seit dem 28. 5. 1982 an das Stromnetz und seit dem 23. 9. 1982 an das Wasserversorgungsnetz angeschlossen. Die Kosten von 42.758,06 DM hat der Harzklubzweigverein Bad Grund getragen